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Als Kate (Franka Potente) nachts auf die nächste U-Bahn wartet, merkt sie plötzlich, dass sie eingenickt und ganz allein auf dem Bahnsteig ist. Der letzte Zug ist abgefahren, alle Ausgänge sind vergittert, die Rolltreppen außer Betrieb. Da fährt doch noch ein Zug in den Bahnhof ein. Erst herrscht Stille. Dann hört sie dumpfe Schritte und ein schweres Atmen. Ihrem Instinkt folgend springt sie auf die Gleise und rennt - rennt so schnell und so weit wie sie nur kann. Doch für Kate und einige Menschen, die sie auf ihrer Flucht treffen wird, hat der Alptraum eben erst begonnen...
Deutschlands größter Schauspielexport erneut in einem Horrorfilm. Jedoch ist es diesmal keine deutsche Produktion, wie seinerzeit die beiden (mehr oder minder) erfolgreichen Anatomie Filme. Creep heißt das neue Werk, in dem Franka in Können erneut unter Beweis stellt. Der Film ist eine deutsch – englische Co-Produktion, und das merkt man ihr auch an. Das Drehbuch und die Regie stammen von dem Engländer Christopher Smith, welcher vor Creep hauptsächlich für relativ kleine und außerhalb Englands wohl kaum bekannte Filme verantwortlich war.
Der Film beginnt ziemlich viel versprechend. Die Atmosphäre ist angenehm düster und die Story geht in Ordnung, auch wenn sie ein wenig an den Haaren herbei gezogen scheint. Kate (Franka Potente) ist ein ziemliches Party-Girl und treibt sich dementsprechend gern auf Partys in der Londoner Szene rum. Wieder einmal ist Kate auf einer nächtlichen Party. Jedoch gedenkt sie nicht lange dort zu verweilen. George Clooney besucht an diesem Abend Englands Hauptstadt, und Kate macht sich auf den Weg, um ein Autogramm zu ergattern. Was sie jedoch noch nicht weiß. Sie wird gar nicht dazu kommen. Kate schläft im U-Bahnhof ein und plötzlich sind alle Schotten dicht. Es scheint wirklich keinen Ausgang mehr zu geben. Wie man sieht, darf man hier nun wirklich keine storytechnischen Höhenflüge erwarten. Wenn man einmal drüber nachdenkt, ist die Chance doch ziemlich gering, des Abends allein in einer U-Bahn Station aufzuwachen und es ist niemand da. Franka Potente spielt in ihrem neuen Film merkwürdig hölzern und emotionslos. Auch über Frankas Synchronstimmer kann man nicht wirklich glücklich sein. Insgesamt hat man von unserem Exportschlager bereits weitaus bessere Filme gesehen, man könnte sogar behaupten, dass sie in diesem Film ihre bisher schlechteste Leistung abliefert.
Die Dialoge sind wirklich ein Graus. Seit langem habe ich keine unsinnigeren und schlechteren Dialoge mehr in einem Film gesehen. Creep wäre auch ohne solche ausgekommen, warum also viel Wert auf Kommunikation legen? Ein Beispiel: Kate hat in der Station endlich einen Abdachlosen gefunden, der ihr helfen soll. Sie gibt ihm Geld, damit er sie zur nächsten Nachtwächter Station bringt. Unterwegs versucht er ein wenig Stimmung aufzubauen und erzählt ein wenig von seinem Leben. Aus heiterem Himmel und ohne jeglichen Grund unterbricht Kate Jim und sagt „Sorry, aber deine Lebensgeschichte interessiert mich nicht wirklich“. Gerade in einer gefährlichen Situation würde jeder normale Mensch Kontakt zu anderen suchen und nett zu sein.
Seit Filmen wie „The Texas Chainsaw Massacre“ und „Wrong Turn“ sind uns mutierte Hinterwäldler noch sehr gut in Erinnerung. Creep darf hier natürlich ins nichts nachstehen und stellt ebenfalls einen mutierten Menschen in den Vordergrund. Bis zur Hälfte des Films ist dieser auch nicht zu Gesicht zu bekommen. Bekanntlich baut sich durch konsequentes vermeiden eines Sichtkontaktes die meisten Spannung auf, da der Zuschauer im Dunklen tappt und nicht weiß, mit was man es denn da zutun hat. Creep geht andere Wege. Genau in der Mitte bekommt man „Craig“ zu Gesicht, und das ist der größte Schwachpunkt. Ab diesem Punkt ist die düstere und unheimliche Stimmung praktisch wie verflogen. Vortan bekommt man das Ungetüm öfter zu sehen, als einem Lieb ist. Das Versteckspiel endet in einer konfusen Verfolgungsjagd, in der Kate und George von einem Fettnäpfchen in das nächste stolpern. Gewiss nutzt der Film dabei alle Horrorklisches aus, die das phantastische Genre so zu bieten hat – Verstecken an den offensichtlichsten Regionen und vor offene Fenster stellen, sind nur die geringsten Übel. Trotz dieser Mankos bleibt die ganze Zeit eine gewisse düstere Atmosphäre erhalten, die Creep vor dem totalen Mittelmaß retten.
Kurz nach dem Kinostart von Creep in den deutschen Kinos, hagelte es Proteste besorgter Eltern, die den Film für zu brutal halten. Nun, dass die FSK bei manchen Filmen wohl Münzenwerfen spielt, ist ja weitreichend bekannt. Der Film spart wirklich nicht mit blutigen Szene und ist für einen FSK 16 Film auch ziemlich freizügig ausgefallen. Jedoch halte ich die Freigabe für angemessen, schließlich erhalten Filme wie „Wrong Turn“, der in etwa auf dem gleichen Level schwebt, auch keine andere Freigabe. Mit 82 Minuten Spiellänge gehört Creep nicht gerade zu den umfangreichsten Vertretern seines Genres. Die Zeit ist jedoch ausreichend. Wenn man die Spiellänge nur unnötig herausgezögert hätte, wäre unser Urteil sicherlich noch ein wenig schlechter ausgefallen.
Creep ist kein Meisterwerk, auch nicht schlecht, eben ein solider Beitrag. Für eine deutsche Co-Produktion ist die Qualität sogar richtig gut ausgefallen. Zwar hätte man hier deutlich mehr von Frank Potente erwartet, aber auch ihre Leistung ist solide. Ein Film den man sich durchaus angucken kann, der aber eine große Höhepunkte bleibt.